Tickets Brechtfestival

Freitag 03.03.

19.30 Uhr / Gaswerk Augsburg

Die Maßnahme - Theater Eigenproduktion

Eröffnung ab 18.30 Uhr

Theater Eigenproduktion

FR+03.03.+%2F+19.30+UHR%0A%3Ca+href%3D%22%22%3EGASWERK+AUGSBURG%3C%2Fa%3E%0AEINTRITT+30+%C2%80+%2F+25+%C2%80+%28ERM.%29%2C+AUFPREIS+SITZPLATZ+5+%C2%80

Vor dem Parteigericht, dem sogenannten „Kontrollchor“, müssen sich vier russische Agitatoren für die Tötung eines Genossen verantworten, der während ihrer Propagandareise in China die Verbreitung der kommunistischen Ideen durch sein individuelles, mitmenschliches Handeln gefährdet hatte. Also spielen sie die Situationen nach, die zu dieser extremen „Maßnahme“ geführt haben. Die Agitatoren haben ihre Identität mit Masken ausgelöscht und als Chinesen verkleidet unter den brutal ausgebeuteten chinesischen Arbeitern schnell eine große Zahl von Anhängern gefunden. Doch das geforderte taktisch-bürokratische Vorgehen verlangt es, persönliche Gefühle und moralische Grundsätze für die Revolutionsidee zu verleugnen, wozu der junge Genosse nicht in der Lage ist – sein mitfühlendes Handeln entlarvt die Gruppe als fremde Revolutionäre. Um nicht selbst in die Hände der Chinesen zu fallen, töten sie den Genossen mit dessen Einverständnis und setzen ihre Arbeit mit großem Erfolg fort. Die Weltrevolution marschiert schließlich auch in China ein– doch zu welchem Preis? Die Maßnahme gilt als Brechts umstrittenstes Werk. Die Uraufführung löste 1930 so heftige Kritik aus, dass Brecht ein Jahr später eine neue Fassung schrieb, die von kommunistischer wie bürgerlicher Seite nicht weniger angegriffen wurde. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs untersagte er 1945 selbst, das Stück weiter spielen zu lassen. Es gehört zu den sogenannten „Lehrstücken“, mit denen Brecht sich nicht primär an das Publikum, sondern an die Schauspieler selbst richtete, um sie politisch zu schulen. Die Maßnahme gilt gleichzeitig als eine der bedeutendsten Kompositionen von Hanns Eisler. „Hier steht ein Protagonist im Vordergrund, der ein System mit all seiner Kraft, selbst unter Lebensgefahr, zu unterstützen versucht. Doch etwas hindert diesen jungen, idealistischen Menschen daran, sich völlig dem Diktat des Systems zu unterwerfen: Es ist sein „eigenes Gesicht“, seine Individualität, sein Wesen. Mit jedem Menschenleben, das der junge Genosse rettet, mit jedem Eingriff, der das unerträgliche Leid des Einzelnen mindert, gefährdet er – so die Agitatoren vor dem Kontrollchor – die große Revolution, den großen Brand. Übertragen wir dies nun auf unsere aktuelle politische Situation, namentlich auf die Situation unserer EU: Es hat nicht Jahre gedauert, sondern Wochen, um ein Klima der Menschenverachtung auf den Straßen Deutschlands und in ganz Europa zu schaffen. Wer hätte je erwartet, dass ein Land wie Großbritannien die EU verlassen würde, um sich vor der Invasion der Flüchtlinge zu schützen? Wer hätte je geglaubt, dass Brücken in Skandinavien gesperrt werden, dass Zäune vor Hilfesuchenden hochgezogen werden, dass man die sogenannten Außengrenzen der EU sichert, um Leid und Verderben künstlich zu potenzieren? Man scheut sich nicht mehr, tote Kinder, Frauen und Männer in Sichtweite zu ertragen – man nimmt es den Flüchtlingen fast übel, dass sie im Grunde diese Bilder, die einem nicht aus dem Kopf gehen wollen, erst möglich machen. Das Leid an den Außengrenzen hören wir nicht mehr, sondern nur die unmenschlichen Grenzüberschreitungen des Inneren: „Auch wenn wir jetzt einige Wochen ein paar harte Bilder aushalten müssen, unser Ansatz ist richtig.“ (so Innenminister Thomas de Maizière) Was wollen mein Innenminister und meine EU von mir (von uns)? Sie wollen das, was die Agitatoren und der Kontrollchor auch vom jungen Genossen verlangen: Die Auslöschung meines Gesichtes, meiner Individualität, meines Wesens – im Grunde die Auslöschung meiner persönlichen Verantwortung. Sie wollen, dass ich für das große Ganze, für das System, für die EU meinen Begriff der Mitmenschlichkeit und des Mitleids auf bürokratische Art neu definiere. Es liegt an uns, Gesicht zu zeigen, oder stumm und ohnmächtig der Auslöschung unseres Gesichtes zuzustimmen.“ Selcuk Cara Die Maßnahme ist eine Eigenproduktion des Brechtfestivals und wird von Regisseur Selcuk Cara eigens für die beeindruckenden Gebäude auf dem Gelände des Gaswerks Augsburg konzipiert – ein Novum in der Geschichte des Festivals. In den verlassenen Denkmälern des Industriezeitalters folgt das Publikum den Spielern durch die Stationen des Dramas an mehrere Orte auf dem Areal.

Agitatoren: Katharina Rivilis, Luise Wolfram, Dagmar von Kurmin, Volker Zack Michalowski, Florian Mania
Konzept, Regie, Bühnenbild und Lichtgestaltung: Selcuk Cara 
Musikalische Leitung und Leitung Chor: Geoffrey Abbott

Ein Lehrstück von Bertolt Brecht, Musik: Hanns Eisler, Verlag: Suhrkamp

Dauer: ca. 120 Minuten
Ort: Gaswerk-Apparatehaus und Kühlergebäude
Tickets: 30 / 25 €, Aufpreis Sitzplatz 5 €

TICKETS ONLINE BESTELLEN

Es gibt einen Bus-Shuttle vom Theater Augsburg zum Gaswerkgelände.

Im Anschluss an die Vorstellung vom 3.3.: Premierenfeier im Brechtkeller im Theater Augsburg. In Kooperation mit dem Theater Augsburg

Bus-Shuttle für die Veranstaltungen im Gaswerk am 3. – 5.3.
in Kooperation mit z-mobility.
Die Haltstelle zur Hinfahrt ist am Theater Augsburg,
Fuggerstraße, Bahnsteig E.

Freitag 3.3.: Abfahrt Theater: 18.00 und 19.00 Uhr /
Rückfahrt vom Gaswerk: 18.30 und ca. 22.00 Uhr

Samstag 4.3.: Abfahrt Theater: 17.30, 19.45 und 20.30 Uhr /
Rückfahrt vom Gaswerk: 20.15 Uhr, 21.00 Uhr, 22.45, und 23.15 Uhr

Sonntag 5.3.: Abfahrt Theater: 17.30 Uhr /
Rückfahrt vom Gaswerk: ca. 20.30 Uhr  

Karte kaufen
%3Cp%3E%3C%2Fp%3E

19.30 Uhr / Theater Augsburg / Brechtbühne

Der gute Mensch von Downtown

FR+03.03.+%2F+19.30+UHR%0A%3Ca+href%3D%22%22%3ETHEATER+AUGSBURG+%2F+BRECHTB%C3%9CHNE%3C%2Fa%3E%0A21%2F16+%C2%80+%3B+18%2F12+%C2%80+%28ERM.%29
(c) Melanie Buehnemann

T h e a t e r s t ü c k  i n s p i r i e r t  v o n  B r e c h t  u n d  d e r  B i b e l , 
v o n  a l t e n  Q u e l l e n  u n d  n e u e n  K a t a s t r o p h e n

Im Himmel gibt es Streit. Gott und Luzifer sind sich einig, dass eine neue Sintflut fällig ist, doch zwei Erzengel wollen auf Erden drei „gute“ Menschen finden als Beweis, dass die Menschheit noch eine letzte Chance verdient. Die Aufgabe stellt die Engelsgeduld auf eine harte Probe. Niemand in Downtown hat im täglichen Überlebenskampf etwas für die inkognito umherirrende Kommission übrig. Als sie schließlich Gastfreundschaft von drei jungen Frauen mit Down-Syndrom erfahren, zögern die Erzengel: Zählt das Gutsein überhaupt, wenn es eine Art Geburtsfehler ist? Bleiben die Frauen weiterhin gut, wenn der Regen zunimmt und die Zeiten schlechter werden? Schließlich schenken sie den drei jungen Frauen ein Teehaus zum Dank. Aber es dauert nicht lange, bis die „guten“ Schwestern zu kaltherzigen Brüdern werden und sich selbst zu Hilfe kommen müssen. Das Gastspiel aus Berlin beleuchtet mit einer außergewöhnlichen Brecht-Interpretation die Frage „Was ist ein guter Mensch?“ neu. Die gefeierte Inszenierung variiert mit lockerer Hand Bertolt Brechts Der gute Mensch von Sezuan, lässt sich dabei von alten Quellen und neuen Katastrophen inspirieren und nutzt Verfremdungseffekte und Kommentare, um die Parabel ins Jetzt zu transportieren. In der Rolle eines Erzengels steht die Theaterschauspielerin und Tatort-Kommissarin Eva Mattes mit einem Ensemble von Menschen mit Down-Syndrom auf der Bühne. RambaZamba gehört zu den bekanntesten Inklusionstheater- Ensembles im deutschsprachigen Raum. „Wir machen Theater mit Menschen mit einer anderen geistigen Ordnung“, so die Gründerin und Regisseurin Gisela Höhne. Sie spricht absichtlich nicht von Menschen mit Behinderung und fordert von der Politik selbstbewusst den Status eines Staatstheaters für RambaZamba – ein Signal für die Bedeutung und immense Dynamik, die kreativ und politisch von dieser Theaterform ausgeht.

Regie: Gisela Höhne, Gäste: Eva Mattes und Patrizia Carlucci Darsteller Theater RambaZamba: Mario Gaulke, Juliana Götze, Moritz Höhne, Hans-Harald Janke, Jan-Patrick Kern, Franziska Kleinert, Joachim Neumann, Hieu Pham, Zora Schemm, Rita Seredßus, Jonas Sippel, Aaron Smith, Sebastian Urbanski, Nele Winkler, Michael Wittsack, Musik: Ernst Bechert, Stefan Dohanetz, Moritz Höhne Choreografie: Kerstin Rünzel, Dramaturgie: Hans Nadolny, Bettina Bartz, Bühne: Angelika Dubufé, Kostüme/Maske: Beatrix Brandler.

Eine Produktion des Theater RambaZamba, Berlin. www.theater-rambaZamba.org. Die Initiative Down-Syndrom Augsburg und Umgebung e.V. „einsmehr“ ist mit einem Infotisch im Foyer der Brechtbühne vertreten.

In Kooperation mit dem Theater Augsburg 

Dauer: ca. 2,5 h mit Pause
Ort: Brechtbühne
Tickets: Kat. I: 21 / 18 € (erm.); Kat. II: 16 / 12 € (erm.)

TICKETS ONLINE BESTELLEN

Karte kaufen
%3Cp%3E%3C%2Fp%3E
shadow